Liquiditätsgrad berechnen: Liquidität 1., 2. und 3. Grades
Geben Sie flüssige Mittel, Forderungen, Vorräte und kurzfristige Verbindlichkeiten ein und sehen Sie sofort Ihre drei Liquiditätsgrade und das Working Capital.
Kurze Antwort
Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten. Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten. Liquidität 3. Grades = Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten, jeweils × 100 %. Mit 40.000 € Bank, 140.000 € Forderungen, 70.000 € Vorräten und 160.000 € kurzfristigen Verbindlichkeiten ergeben sich 25 %, 112,5 % und 156,3 %.
Rechner für die Liquiditätsgrade
Alle Beträge stehen in der Bilanz, zum selben Stichtag.
- Liquidität 1. Grades
- 25,0 %
- Liquidität 2. Grades
- 112,5 %
- Working Capital
- 90.000 €
- Liquidität 3. Grades
- 156,3 %
Formeln für die Liquiditätsgrade
| Kennzahl | Formel | Beispiel |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades (Barliquidität, Cash Ratio) | flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 % | 40.000 ÷ 160.000 = 25 % |
| Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) | (flüssige Mittel + Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 % | 180.000 ÷ 160.000 = 112,5 % |
| Liquidität 3. Grades (Current Ratio) | Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 % | 250.000 ÷ 160.000 = 156,3 % |
| Working Capital | Umlaufvermögen − kurzfristige Verbindlichkeiten | 250.000 − 160.000 = 90.000 |
Zum Umlaufvermögen gehören flüssige Mittel, Forderungen und Vorräte. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind innerhalb eines Jahres fällig: Lieferanten, Umsatzsteuer, Lohnsteuer, die Tilgung des laufenden Jahres und der Kontokorrentkredit.
Die Liquidität 2. Grades lässt die Vorräte weg, weil sie am langsamsten zu Geld werden: Sie müssen erst verkauft und dann bezahlt werden. Im Bau- und Installationsgewerbe gehören unfertige Leistungen aus demselben Grund zu den Vorräten.
Welche Liquiditätsgrade sind gut?
| Kennzahl | Häufig genannter Richtwert |
|---|---|
| Liquidität 1. Grades | 10 bis 30 % |
| Liquidität 2. Grades | mindestens 100 % |
| Liquidität 3. Grades | 120 bis 200 % |
Das sind Faustregeln, keine Normen. Ein Supermarkt, der bar verkauft und seine Lieferanten nach 60 Tagen bezahlt, kommt mit deutlich niedrigeren Werten aus. Ein Großhändler, der 90 Tage auf seine Kunden wartet, braucht mehr. Sehr hohe Werte sind auch nicht automatisch gut: Ungenutztes Geld auf dem Konto oder ein großes Lager bringt kaum Ertrag.
Rechenbeispiel: ein Installationsbetrieb
Ein fiktiver Installationsbetrieb hat zum Jahresende dieses Umlaufvermögen und diese kurzfristigen Verbindlichkeiten.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Bankguthaben | 40.000 € |
| Forderungen aus Lieferungen | 140.000 € |
| Vorräte und unfertige Leistungen | 70.000 € |
| Umlaufvermögen | 250.000 € |
| Lieferanten, Umsatzsteuer, Lohnsteuer | 160.000 € |
| Liquidität 2. Grades | 180.000 ÷ 160.000 = 112,5 % |
| Liquidität 3. Grades | 250.000 ÷ 160.000 = 156,3 % |
| Working Capital | 90.000 € |
Auf dem Papier ist der Betrieb liquide. Zahlt ein großer Kunde mit 60.000 € offenen Rechnungen aber erst in drei Monaten, sinkt die Liquidität 2. Grades in der Zwischenzeit auf (180.000 − 60.000) ÷ 160.000 = 75 %. Eine Kennzahl zu einem Stichtag sagt deshalb nicht alles; für die kommenden Wochen brauchen Sie eine Liquiditätsplanung.
Liquidität verbessern
- Schneller fakturieren und einziehen. Rechnen Sie direkt nach Abnahme ab, mahnen Sie an festen Tagen und telefonieren Sie großen offenen Posten nach. Mehr dazu in Debitorenmanagement verbessern.
- Abschlagszahlungen vereinbaren. Bei Projekten über mehrere Monate hält ein Zahlungsplan das Working Capital stabil.
- Weniger Vorräte. Kleiner und häufiger bestellen und Ladenhüter abbauen.
- Fristenkongruent finanzieren. Eine Investition aus dem Kontokorrent drückt die Liquidität; ein Darlehen mit passender Laufzeit nicht.
Die Zahlen aus der Buchhaltung
Alle Beträge stehen in der Bilanz. Im SKR03 finden Sie Bank und Kasse in Kontenklasse 1 und die Vorräte in Klasse 3, im SKR04 die Vorräte in Klasse 1 und Verbindlichkeiten in Klasse 3. Nehmen Sie alle Werte zum selben Stichtag und prüfen Sie, ob die letzte Umsatzsteuervoranmeldung und die Lohnabrechnung gebucht sind; sonst wirken die Verbindlichkeiten niedriger, als sie sind.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität 2. und 3. Grades?
Die Liquidität 3. Grades zählt das gesamte Umlaufvermögen, die Liquidität 2. Grades lässt die Vorräte weg. Sie ist deshalb strenger: Sie zeigt, ob Sie die kurzfristigen Verbindlichkeiten bezahlen können, ohne erst Ware zu verkaufen.
Ist eine Liquidität 3. Grades unter 100 % immer schlecht?
Nein. Unternehmen, die bar oder per Karte kassieren und ihre Lieferanten später bezahlen, etwa Supermärkte und Gastronomie, liegen oft darunter, ohne Zahlungsprobleme zu haben. Für ein Unternehmen mit langen Zahlungszielen der Kunden ist es dagegen ein Warnsignal.
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Eigenkapitalquote?
Die Liquidität betrifft die kurze Frist: Können Sie die Rechnungen der nächsten Monate bezahlen? Die Eigenkapitalquote betrifft die langfristige Stabilität: Wie viel des Vermögens ist mit eigenem Geld finanziert? Ein Unternehmen kann eine gute Quote haben und trotzdem knapp bei Kasse sein.
Wie oft sollte ich die Liquidität berechnen?
Monatlich ist ein sinnvolles Minimum. Ist es knapp, schauen Sie wöchentlich auf erwartete Ein- und Auszahlungen in einer Liquiditätsplanung: Sie zeigt, wann es eng wird, nicht nur, ob es jetzt eng ist.
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