Hintergrund4 Min. Lesezeit

KI-ROI berechnen: Einen belastbaren Business Case aufbauen

Bauen Sie einen KI-Business-Case mit klarer Baseline und echten Kosten auf. Trennen Sie freie Kapazitäten sauber von echten Cash-Einsparungen vor dem Rollout.

Auke Westra

durch Auke Westra

Gründer von DigiData

Praktischer Leitfaden. Dieser Artikel behandelt die Schritte, Überprüfungen und allgemeinen Probleme.

Kurze Antwort

Ein Business Case für KI vergleicht ein definiertes geschäftliches Ergebnis mit den tatsächlichen Gesamtkosten. Messen Sie den aktuellen Prozess, berücksichtigen Sie Einrichtungs- sowie Prüfaufwände und unterscheiden Sie echte Cash-Einsparungen von freigesetzten Arbeitskapazitäten. Testen Sie alle Annahmen in einem überschaubaren Pilotprojekt, bevor Sie expandieren. Starten Sie im Reporting mit einer wiederkehrenden Aufgabe, deren Zahlen Sie direkt an den Quelldaten validieren können und für die ein Verantwortlicher bereitsteht.

Beginnen Sie mit einer Entscheidung, nicht mit einem Abonnement

Ein Finanzteam möchte den monatlichen Soll-Ist-Vergleich schneller abschließen. Das ist ein solider Ausgangspunkt für einen KI-Business-Case, weil sich Vorbereitungszeit, Prüfzeit und die Qualität des Ergebnisberichts exakt messen lassen. Die vage Vorgabe "mehr KI einzusetzen" bietet dagegen keine verlässliche Grundlage.

Definieren Sie genau, worin die Aufgabe besteht, wer sie erledigt und was mit dem fertigen Ergebnis passiert. Wenn niemand daraufhin Entscheidungen anpasst oder messbar Arbeitszeit spart, hat selbst eine beeindruckende Software-Demonstration kaum betriebswirtschaftlichen Nutzen. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf das Reporting und die Finanzanalyse mit einem KI-Datenassistenten.

Messen Sie den Aufwand vor der Veränderung

Beobachten Sie mehrere reguläre Reportingzyklen. Erfassen Sie die Zeit, die für die Datenerfassung, das Prüfen von Kennzahlen, das Erklären von Abweichungen und die Korrektur von Fehlern aufgewendet wird. Beziehen Sie auch anspruchsvolle Monatsabschlüsse ein, anstatt den einfachsten Monat als alleinigen Maßstab zu wählen.

Dokumentieren Sie das entscheidende Prozessergebnis. Beim Management-Reporting kann das die termingerechte Fertigstellung vor dem Meeting ohne ungeklärte wesentliche Differenzen sein. Bei einem Projektbericht geht es vielleicht darum, ob Projektleiter Kostenüberschreitungen nachgehen, solange noch gegengesteuert werden kann.

Legen Sie gemeinsam fest, was als Fehler gilt und wer beurteilt, ob eine Erklärung stichhaltig ist. KI-generierte Kommentare können selbst dann irreführend sein, wenn die zugrunde liegende Rechenoperation formal stimmt.

Erfassen Sie die Gesamtkosten

Kalkulieren Sie Einrichtung, Datenmodellierung, Definition von Kennzahlen, Schulungen und den laufenden Support realistisch ein. Berücksichtigen Sie die Zeit, die Mitarbeiter für die fachliche Überprüfung generierter Texte benötigen, sowie den Pflegeaufwand, sobald sich Quellsysteme ändern. Nutzen Sie reale Angebote aus der Preisübersicht und von Ihren Dienstleistern, anstatt nur die monatliche Lizenzgebühr als Gesamtkosten anzusetzen.

Vermeiden Sie Doppelzählungen. Wenn ein Dienstleistungsvertrag bereits monatliche Systemprüfungen umfasst, erfassen Sie diesen Aufwand nicht zusätzlich als externe Ausgabe. Trennen Sie Einmalkosten strikt von wiederkehrenden Betriebskosten, damit das Team sowohl das Ergebnis des ersten Jahres als auch die dauerhaften Folgekosten transparent beurteilen kann.

Ein hypothetisches Rechenbeispiel

Angenommen, die monatliche Berichtserstellung dauert aktuell 14 Stunden. Ein Pilotprojekt reduziert die Vorbereitung und die anschließende Prüfung zusammen auf 4 Stunden. Die netto freigesetzte Kapazität beträgt damit 10 Stunden pro Monat. Bei einem internen Verrechnungssatz von 50 EUR pro Stunde entspricht dies einem kalkulatorischen Kapazitätswert von 500 EUR monatlich.

Nehmen wir dazu monatliche Betriebskosten von 150 EUR und einen einmaligen Einrichtungsaufwand von 600 EUR an. Dies sind rein hypothetische Annahmen und keine festen Preise von DigiData. Über zwölf Monate gerechnet ergibt sich ein Kapazitätswert von 6.000 EUR bei Gesamtkosten von 2.400 EUR. Der kapazitätsbasierte Ertrag läge bei 150 %, berechnet aus dem Nettonutzen von 3.600 EUR geteilt durch die Kosten von 2.400 EUR.

Dabei handelt es sich nicht um eine echte Cash-Rendite. Wenn die Mitarbeiter weiterhin das gleiche Gehalt beziehen und keine weiteren Kosten entfallen, gewinnt das Unternehmen freie Zeit, senkt aber nicht unmittelbar die Ausgaben. Weisen Sie echte Cash-Einsparungen in einer separaten Rechnung aus und setzen Sie nur tatsächlich vermiedene Auszahlungen an. Verbuchen Sie hypothetische Umsatzerlöse keinesfalls als bereits realisierten Ertrag.

Legen Sie fest, wie die gewonnene Zeit genutzt wird

Geben Sie dem Prozessverantwortlichen einen konkreten Plan für die frei gewordene Zeit an die Hand. Mitarbeiter könnten beispielsweise unklare Margenabweichungen intensiver prüfen oder Lieferantenrechnungen sorgfältiger kontrollieren. Messen Sie, ob diese höherwertige Arbeit tatsächlich geleistet wird, bevor Sie ihr einen rechnerischen Mehrwert zuschreiben.

Rechnen Sie auch ein vorsichtigeres Szenario durch: Befreit das Pilotprojekt nur vier Stunden pro Monat, sinkt der jährliche Kapazitätswert bei gleichem Stundensatz auf 2.400 EUR. Damit deckt er exakt die beispielhaften Kosten. Die Entscheidung hängt dann davon ab, ob der neue Ablauf die Termintreue oder die Berichtsqualität stark genug verbessert, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Vor dem Rollout: Nächste Prüfung planen

Nutzen Sie eine kurze Entscheidungsgrundlage:

  • Prüfen Sie, ob alle benötigten Daten in den unterstützten Integrationen vorhanden sind.
  • Geben Sie die Berechnungslogik und Referenzergebnisse verbindlich frei.
  • Messen Sie die Vorbereitungs- plus die Prüfzeit, nicht nur die reine Generierungsdauer.
  • Dokumentieren Sie ungeklärte Fehler und verpasste Berichtsfristen.
  • Gleichen Sie die tatsächlichen Kosten und Resultate mit dem Business Case ab.

Entscheiden Sie auf Basis dieser Fakten, ob Sie das Projekt fortführen, anpassen oder stoppen. Der Leitfaden zur KI-Implementierung hilft Ihnen dabei, den freigegebenen Anwendungsfall in ein strukturiertes Pilotprojekt mit klaren Verantwortlichkeiten und Abnahmekriterien zu überführen.

Auke Westra

Über: Auke Westra

Gründer von DigiData

Auke Westra ist Gründer von DigiData und schreibt über Datenintegrationen, OData und Power BI.

Bereit zum Start?

Versuchen Sie DigiData kostenlos für 14 Tage. Verbinden Sie Ihre Software, laden Sie Ihre Daten in Power BI und entdecken Sie den Unterschied.

Bitte kontaktieren Sie uns

Verbundene Artikel